Pfarrkirche St. Kornelius und Cyprian in Kirrlach

 

Kleiner Kirchenführer

Es ist nicht bekannt, wann genau die erste Kirche in Kirrlach erbaut wurde. Die erste schriftliche Erwähnung über die Existenz eines Ortes namens „Kirloch" d.h. „Kirche im Wald" findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1234. Darin werden mit Siegeln des Stiftkapitels St. German zu Speyer, des Propstes eben dieses Stiftes und des Speyerer Domkapitels, die Rechte der Kirche in Kirloch und das Recht zur Einsetzung eines Pfarrers in dieser Vikarie geregelt.

 

Die erste - aus Holz gebaute - Kirche wurde wegen Baufälligkeit und weil sie mittlerweile zu klein war, durch ein neues Gotteshaus ersetzt.

Die neue Kirche erstand im gotischen Stil in den Jahren 1504 bis 1509. Ein Stein des Glockenturmes trägt die Inschrift: „Anno 1504 inceptum est hoc opus" („Im Jahre 1504 ist dieses Werk begonnen worden"). Darüber ist das Wappen des Erbauers, Bischof Philipp von Rosenberg, angebracht.
Heute noch erhaltene Teile des unteren Glockenturmes zeugen davon, welch herrliches Gotteshaus es gewesen sein muss. Das Portal und das Kreuzgewölbe des Glockenturms waren einst Eingang und Eingangsbereich zur Kirche.
Diese, im 30-jährigen Krieg teilweise zerstörte Kirche, wurde 1683 notdürftig wieder aufgebaut.
Es war auch eben dieses Jahr, da die beiden frühchristlichen Bekennerbischöfe Kornelius (Papst, Bischof von Rom) und Cyprian (Bischof von Karthago) zu den Patronen der Kirrlacher Pfarrkirche erhoben wurden. Seither feiert Kirrlach um den 16. September, dem Fest der Heiligen Kornelius und Cyprian, sein Patrozinium.
Bereits im Jahre 1770 war die Kirche schon wieder sehr baufällig. Ausbesserungsarbeiten brachten nicht den gewünschten Erfolg und man begann man mit der Planung des heutigen Gotteshauses.
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ie Grundsteinlegung der heutigen Kirche war am 27.September 1833. Baubeginn war ein Jahr später und am 25.Oktober 1835 konnte die Weihe erfolgen.
Der Kirchturm wurde im Jahre 1871 auf ca. 45 m erhöht und es wurde ein neues Geläut angeschafft.
Im Jahre 1872 wurde das Pfarrhaus neben der Kirche erbaut.
Die Zahl der Katholiken in Kirrlach war von 770 im Jahre 1811 auf 3000 im Jahre 1904 angewachsen. Dies war der Grund dafür, dass die Kirche im Jahre 1904 um 15 Meter verlängert wurde.
Im Jahre 1803 ersteigerte der Kirrlacher Lammwirt Heinrich Heiler in Wiesloch einen flandrischen Schnitzaltar für 10 Gulden, der 1879 durch eine Schenkung an den Kirchenfonds Kirrlach ging.
Für diesen  flandrischen Schnitzaltar wurde bei dem Umbau 1904 eine neugotische Seitenkapelle angebaut, die lange Zeit zugleich als Taufkapelle diente.
 
Die beiden Seitenaltäre stammen aus dem 17. Jahrhundert vom ehemaligen Franziskanerkloster auf dem Fremersberg bei Baden-Baden und wurden 1905 der Gemeinde Steinbach bei Bühl abgekauft.
1928 wurde eine größere Sakristei mit darunter liegendem Heizraum gebaut und das Kirchendach erneuert..
Die heutige Pfarrkirche ist 56 m lang und 18 m breit. Sie bietet ca. 850 Personen Platz. Weitere 100 Plätze bietet die Empore. 
 

Der herrliche Hochtaltar aus dem Jahre 1880 beinhaltete bis 1994 als Hauptbild die Aufnahme Mariens in den Himmel. Die beiden Seitenflügel zeigten Bilder der Kirchenpatrone Kornelius und Cyprian.

Der dem klassizistischen Stil nachempfundene Hochaltar und die beiden barocken Seitenaltäre ziehen beim Betreten der Kirche den Blick auf sich. Im Dezember 1982 wurde ein barocker Zelebrationsaltar mit Ambo, passend zu den beiden Seitenaltären, angeschafft.

 

Bei der Kirchenrenovation im Jahre 1994 wurde der Altarraum erweitert. Der Hochaltar wurde umgestaltet. Die drei Altar-Bilder wurden entfernt, – sie stammen von der Malerin Maria Schenkh aus Karlsruhe - gerahmt und an die rechte Seitenwand gehängt. Eine Kreuzigungsgruppe wurde zentral in den Altar eingesetzt und die Bilder der Kirchenpatrone durch kleinere Statuen ersetzt.

Im Jahr 2014 wurde der Altarraum nochmals umgestaltet. Ein fester Steinaltar, ein dazu passender Ambo und neue Sedilien für Priester und Ministranten ergänzen nun die barocken Ausstattungen.

Auf der linken Seite befindet sich der Marienaltar. Sein Zentrum bildet die Madonna, ein Stück 'Bruhrainer Barock'. Darüber befindet sich eine Statue des hl. Josef, dem Bräutigam der Gottesmutter. Die kleineren Statuen links und rechts stellen den heiligen Märtyrer Sebastian und den heiligen Bekenner Wendelinus dar.
Sebastian war Offizier der kaiserlichen Leibgarde des Kaisers Diokletian. Er wurde auf Befehl des Kaisers mit Pfeilen erschossen und als tot geglaubt liegen gelassen. Durch die Pflege der Christin Irene blieb er am Leben, wurde jedoch bald danach ob seines neuerlichen Freimutes, durch Keulenschläge getötet.
Da der Pfeil als Symbol plötzlicher Krankheiten galt, wurde Sebastian Patron gegen die Pest und ansteckende Krankheiten. Die Schützengilden wählten ihn zum Patron.
Der hl. Wendelinus wird abgebildet mit Stab und Tasche. Er war Königssohn, wurde aber aus Liebe zu Christus Hirte bei den Schafen eines Edelmannes im Saargebiet. In seinen späteren Jahren war er Abt eines Klosters. Die Bauern empfehlen ihr Vieh dem Schutz dieses Heiligen.

Der rechte Seitenaltar ist der Herz-Jesu-Altar. Oberhalb der Herz-Jesu-Statue ist der Apostel Judas Thaddäus zu sehen. Links und rechts davon befinden sich Statuen des hl. Karl Borromäus und des hl. Aloisius von Gonzaga.
Karl Borromäus war Bischof von Mailand. Er ist der Gründer von Knaben- und Priesterseminaren und Patron der kath. Büchereien.
Aloisius von Gonzaga war Markgrafensohn. Er empfing aus der Hand von Karl Borromäus die erste hl. Kommunion, verzichtete auf die Markgrafenschaft und wurde Jesuiten-Novize. Er erlag wie Karl Borromäus als Opfer der Nächstenliebe der Pest. Aloisius v. G. wurde  wegen seiner großen Liebe zur Reinheit zum Patron der männlichen Jugend.

 

Das wohl wertvollste Schmuckstück unserer Pfarrkirche ist der flandrische Schnitzaltar. Er wurde nach Ansicht von Kunstgelehrten anfangs des 16. Jahrhunderts in Antwerpen gefertigt. Er dürfte wohl der einzige seiner Art in Süddeutschland sein.
Sein Weg führte ihn im 18.Jahrhundert vom Niederrhein in die Kurpfalz. Über Heidelberg kam er 1742 nach Wiesloch, wo er 1803 vom Kirrlacher Lammwirt Heinrich Heiler für 10 Gulden ersteigert wurde. In dessen Wohnung stand der Altar bis zum Jahre 1846. Unter der Bedingung einer kunstgerechten Renovierung überließ der Eigentümer den Schrein dem Frauenkloster vom Hl. Grab in Bruchsal. Nach der Auflösung dieses Klosters kam der Altar jedoch schon zwei Jahre später wieder nach Kirrlach. Hier stand er in einer Scheune, bis er 1879 in der Pfarrkirche Kirrlach unter der Empore aufgestellt wurde. Im selben Jahr ging er durch eine Schenkung des Sohnes von Heinrich Heiler in den Besitz des Kirchenfonds der Pfarrei Kirrlach über.
1904 wurde bei der Kirchenerweiterung auch die gotische Seitenkapelle gebaut, in der das Schmuckstück seinen endgültigen Standort fand. 
Zu Beginn des zweiten Weltkrieges wurde er aus Sicherheitsgründen in den massiven unteren Teil des Kirchturms eingemauert. Als er nach Beendigung der Kriegswirren endlich wieder auf seinem ursprünglichen Platz stand, stellte man mit Erleichterung fest, dass er all die Jahre nicht unter Feuchtigkeit gelitten hatte.

Der Kirrlacher Altar, in dessen Mittelpunkt das Leiden und als Vollendung des gesamten Erlöserwerkes der Tod und die Auferstehung Christi stehen, hat das Evangelium nach Lukas zur Vorlage.
In ihm finden sich die Geheimnisse des schmerzhaften Rosenkranzes in drei kleinen Szenen und in zwei Hauptreliefs dargestellt.
Die namenlosen Künstler vermochten Spannung, Dramatik und Dynamik im Augenblick der höchsten Beweglichkeit und auf der anderen Seite verhaltene Innigkeit, Hoheit und Beseeltheit darzustellen, ähnlich wie in einem Film der auf dem szenischen Höhepunkt abrupt angehalten wird.
Zu den vier großen Reliefs Kreuztragung, Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung stehen die vier unteren Szenen aus der Kindheit Jesu: die Verkündigung, die Heimsuchung, die Anbetung und die Beschneidung in einem nicht mehr zu überbietendem inhaltlichen Kontrast.

 

 
Zentralbild und Mittelpunkt des Schnitzaltars ist die Kreuzigung. Durch die große Bedeutung der Kreuzigung Jesu wird das Kreuz im Raum erhöht. Die Schächer hängen verzerrt an ihren Kreuzen, mehr gebunden als gekreuzigt. Im Mittelteil teils gestikulierende teils berittene Soldaten. Drohend ragen die Lanze und das Ysoprohr mit dem Essigschwamm in die Höhe. Im unteren Teil der farbenprächtige Figuren sind die klagenden Frauen sowie die in Ohnmacht liegende Schmerzensmutter dargestellt.
 
 
Der kreuztragende Christus ist mit seinen Kräften am Ende. Am rechten Bildrand geht ein Bauer mit einem Weidekorb zum Markt. Dies symbolisiert die Menschen, die nichts gehört oder gesehen haben wollen. Ein Henkersknecht zieht Jesus mit einem Strick vorwärts. Ein weiterer schlägt mit einer Keule auf Jesus ein. Links ist Simon von Cyrene zu sehen, der gezwungen wurde, Jesus tragen zu helfen. Vor Jesus kniend ist Veronika mit dem Schweißtuch.
 
 
Josef von Arimathäa legt gerade den Leichnam Jesu in Leinentücher. Die linke der drei Frauen -Maria, die Mutter Jesu - nach vorne gebeugt mit schwerem Schleier, daneben Maria von Magdala und Maria von Bethanien. Alle drei Frauen halten Salbungsgefäße in den Händen.
Außen links ein Mann mit der Dornenkrone in den Händen. Daneben Nikodemus, ratlos mit den drei Kreuzesnägel in der Hand. Ein weiterer Mann im Hintergrund.
 
 
Der vom Grab erstandene Christus hält in der linken Hand die Siegesfahne, während die rechte zur Siegesgebärde erhoben ist. Daneben sieht man die zu Boden gestürzten Soldaten. Im Hintergrund sind die drei Frauen auf dem Weg zum Grab dargestellt.

 

Der Engel spricht die inhaltsreichen Worte: "Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären." Erschreckt fährt Maria mit der Hand zum Herzen und dann folgt die Antwort: "Siehe ich bin die Magd des Herrn." In dem Spruchband auf dem Gewandsaum Mariens stehen die Worte: ECCE ANCILLA DOMINI und auf dem Gewandsaum des Engels: AVE MARIA GRATIA PLENA. Maria ist als zarte junge Frau dargestellt, mit der Hand auf der Schrift auf dem Betpult. Drumherum ist alles menschlich, das Zimmer Mariens mit dem Bett im Hintergrund, der gut fallende Vorhang und  der Wasserkrug im Vordergrund.
Die Mutter Jesu wird in der Spätgotik gerne mit ihrem langen Mädchenhaar dargestellt. Es symbolisiert ihre Reinheit.

 
 
Die hochschwangere, betagte Elisabeth begrüßt ehrfurchtsvoll ihre jugendliche Verwandte Maria. Leicht nach vorn geneigt, Maria aufmerksam ansehend, spricht sie: " Wie kommt es, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt". Auf ihrem Gewandsaum ist zu lesen: BENEDICTA TU IN MULIERIBUS (Gesegnet bist Du unter den Frauen). 
Maria antwortet mit dem Danklied: "Hochpreiset den Herrn meine Seele". Auf ihrem Gewandsaum steht der lateinische Beginn dieses Lobpreises: MAGNIFICAT ANIMA MEA DOMINUM.
Im Hintergrund ist die Landschaft zu sehen, durch die Maria gewandert ist.
 
 
Der Schnitzaltar versucht, Maria in ihrer überirdischen Unberührtheit darzustellen. Von den Hirten, den einfachen Menschen wird das Kind zuerst begrüßt. Die Nacktheit des Kindes auf dem Boden weist schon auf die Selbstentäußerung Gottes und den späteren Leidensweg hin. Neben dem Kind steht Josef, ein wenig schwerfällig und untersetzt wirkend auf einen knorrigen Stock  gestützt. Er wird als älterer, nachdenklicher Mann dargestellt. Selbst die Hirten im Hintergrund werden größer als Josef herausgestellt.
 
 
Der Künstler verlegt die Beschneidung in eine gotische Kapelle (bei den Juden damals in Hause der Eltern). Im Vordergrund steht der Priester mit dem Messer in der Hand, um die zeremonielle Handlung auszuführen. Er ist etwas auffällig gekleidet. Sein hoher Turban, der mit dem phantasievollen Kopfputz der Frauen wetteifert, erinnert an eine Mitra. Maria Magdalena fungiert als Patin. Sie hält das Kind über dem Bet-Schemel.


  

 

 

 
Auf der linken Seite im vorderen Teil des Kirchenschiffes ist die Kanzel angebracht.
Sie stammt, wie die beiden Seitenaltäre, aus dem ehemaligen Franziskanerkloster auf dem Fremersberg bei Baden-Baden und trägt die Jahreszahl 1753.
Auch sie nahm den Weg über die Gemeinde Steinbach bei Bühl und ging im Jahre 1904 in den Besitz unserer Pfarrgemeinde über.
 
 
An der Brüstung zeigt das Hauptbild den 12-jährigen im Tempel. Die Schriftgelehrten, denen er die Schirft deutet, staunen über seine Weisheit.
 
Flankiert wird dieses Bild durch die Figuren der vier großen abendländischen Kirchenlehrer.
 
 

Hieronymus (+420). Er war Einsiedler in der Einöde von Palästina. Dargestellt wird er als abgemagerter, kaum bekleideter Aszetiker (Vertreter der Lehre vom Streben nach christlicher Vollkommenheit), die Brust mit einem Stein schlagend. Der Löwe zu seinen Füßen weist hin auf jene Begebenheit,, wie er einem Löwen einen Dorn aus dem Fußballen zog und das Tier in seiner Dankbarkeit, ihn von diesem Augenblick an, dauernd begleitete und beschützte.

Augustinus (+430), war der zweite der vier abendländischen Kirchenlehrer. Er wurde geboren als Sohn des Heiden Patricius und der Christin Monika. Nach schweren inneren Kämpfen unter dem Eindruck der Predigten des Ambrosius fand Augustinus den Weg zum Christentum. Er wurde Bischof und hat als Prediger im Kampf für den Glauben eine oberhirtliche Tätigkeit von unvergleichlicher Fülle und Tiefe entfaltet. Der Heilige wird dargestellt als Bischof mit einem Herz in der Hand. Sein bekanntestes Wort ist jenes: „Unser Herz ist unruhig bis es ruht in Dir, o Gott". Das Kind an seiner Seite erinnert an die Begegnung mit dem Kind am Meeresstrand, als er über das tiefe Geheimnis der hl. Dreifaltigkeit nachdachte und das Kind zu ihm sagte: "So wenig wirst Du dieses Geheimnis ausschöpfen können, als ich das Weltmeer in diese Sandgrube schöpfen kann".

 
 

Ambrosius (+397), Bischof von Mailand, eine überragende Persönlichkeit. Ein gewaltiger Vorkämpfer der Kirche. Ein Vater der Hilfsbedürftigen. Ein Kanzelredner von Weltruf und der Vater des Kirchengesanges. Er hat Augustinus zur Wahrheit der Kirche geführt. Man bildet ihn gewöhnlich ab mit einem Bienenkorb zu seinen Füßen.

Papst Gregor der Große (+604), der letzte der vier abendländischen Kirchenlehrer lenkte als Papst zielbewusst und kraftvoll die Kirche in ihrer Heimsuchung. Er nahm die Christianisierung der Angelsachsen in Angriff, indem er den Mönch Augustinus im Jahre 596 nach England schickte. Er wurde der Begründer des gregorianischen Chorals.

 
 
Die Rückwand der Kanzel stellt ein Fahnentuch dar, das von zwei Engeln entfaltet wird. Das Bild zeigt den guten Hirten; Hinweis auf das Hirtenamt des Priesters in der Predigt.
 
 
Überragt wird die Kanzel von einem Baldachin in feiner Holzschitzerei. Auf dem Abschluss ein Adler, Sympbol des Evengelisten Johannes. Der Adler hält das Evangelienbuch. Aufgeschlagen ist das erste Kapitel des Johannesevangeliums mit den Anfangsworten "Im Anfang war das Wort".
 
 

 
Bedeutsam ist der Taufstein. Er  wurde im gotischen Stile im Jahre 1507 gefertigt. Der Bischof von Speyer, Philipp von Rosenberg ,der auch die zweite Kirrlacher Kirche erbauen ließ, stiftete diesen Taufstein. Er trägt u.a. auch das Wappen des Bischofs.
Der Sockel ist geschmückt mit Kröten und sonstigem Ungeziefer, als Symbol der exorzistischen Wirkung der Taufe, der Befreiung von der Herrschaft des Teufels und der Reinigung von der Erbsünde.
Der Deckel des Taufsteins ist neueren Datums: er wurde erst im Jahre 1906 gefertigt.
 
 
Immaculata: Nahe der Kanzel  befindet sich in einer Nische eine weitere sehr schöne Statue, von den Kirrlachern wegen ihrer Haartracht auch „Zwuzel"-Madonna genannt. Eine Madonna, prunkvoll mit schöner Bewegung. Sie ist eine Schöpfung der Barockkunst, jener Kunst, die hervorgebrochen ist aus der neu erwachten religiösen Begeisterung und des wieder gewonnenen Selbstbewusstseins der Katholiken nach der Reformation.
 
 

Alabaster-Relief: "Beweinung Christi"

Das Alabaster-Relief an der rechten Seitenwand ist ein so genanntes Vesperbild. Die Vesper ist das Abendgebet der Kirche. Sie wird zu der  Tageszeit gebetet, an der man Jesus vom Kreuz abgenommen hat.
Das Bild zeigt den toten Leib Jesu, der auf einem Tuche ruht.
Die Dornenkrone und die Kreuzigungsnägel liegen auf dem Boden.
Bestechend ist die Wiedergabe des Körpers bis in die feinste anatomische Darstellung der einzelnen Gliedmaßen. Körperhaltung, Muskeln und Adern sind von großer Genauigkeit.
Bei den beiden weinenden Frauen, deren Schmerz und Trauer den Betrachter anrühren, handelt es sich nach Aussage der Hl. Schrift um Maria, die Mutter des Jakobus und des Josef und um Maria aus Magdala (=Maria Magdalena). Ihre Namen sind vom Künstler selbst eingraviert.
Der halbentblößte Oberkörper und das offene Haar von Magdalena sollen auf die ehemalige Sünderin hinweisen, deren Liebe und Zuneigung durch die Barmherzigkeit und Vergebung Gottes eine besondere Innigkeit zu Jesu gefunden hat.
Ergreifend ist auch der Schmerz und die Klage der älteren Maria dargestellt. Man kann sich nur schwer dem Leid und den Tränen dieser beiden Frauen entziehen. Ihre tiefe Betroffenheit will uns zum eigentlichen Grund ihres Schmerzes hinlenken und uns einladen zum Verweilen bei dem, dem ihre ganze Liebe gilt: dem gemarterten Jesus.

Das Vesperbild wurde 1757 vom niederländischen Künstler Pieter Pepers geschaffen. Es hat einen abenteuerlich zu nennenden Weg zurückgelegt, bis es im Jahre 1800 nach Kirrlach kam.
Der Urgroßvater des Engelwirtes hat dieses  im Jahre 1800 von einigen französischen Offizieren in Speyer für eine Fuhre Kartoffel erhalten.
Das Relief, im Besitz der Familie Baader, schmückte jeweils am Fronleichnamstag den Altar in der Oberdorfstraße. Pfarrer Bernhard Kummer erkannte den künstlerischen Wert des Reliefs. Der Urenkel des Engelwirtes vermachte es im Jahre 1905 unentgeltlich der Pfarrkirche Kirrlach zum immerwährenden Eigentum. Es wurde im rechten Seitenaltar aufgestellt.
Während des Ersten Weltkrieges wurde das Kunstwerk aus der Pfarrkirche entwendet. Alle polizeilichen Ermittlungen verliefen im Sande.
Die Erinnerung an dieses Alabasterrelief wäre wohl in Kirrlach verblasst, wenn nicht Herr Philipp Heiler 1981 ein Foto und eine Beschreibung diese Reliefs in seinem Buch über den flandrischen Schnitzaltar veröffentlicht hätte. Dieses Foto wurde ihm vom Badischen Landesdenkmalamt zur Verfügung gestellt.
Vor einigen Jahren tauchte das gestohlene Kunstwerk auf dem Kunstmarkt in den Niederlanden wieder auf. Heute ist das Original im Besitz des Kölner Dommuseums und dort zu besichtigen. Der Pfarrkirche Kirrlach verblieb leider nur ein originalgetreuer Abguss.

 

Alle Kirchenfenster wurden hergestellt von der Glasmalerei E. Grosskopf, Karlsruhe und waren Stiftungen von Pfarrern, Organisationen bzw. Gruppierungen der Pfarrei.
Sie wurden in den Jahren 1928 und 1929 hergestellt und eingebaut.

  
 

Es ist nicht mehr nachweisbar, wann die erste Orgel in der Kirrlacher Kirche installiert wurde. Aus den Pfarrakten IX a  geht jedoch hervor, dass bereits im Jahre 1811 eine Reparatur durch Andreas Ubhauser an der damaligen Orgel durchgeführt wurde.

Schon 1834 – 1836 erfolgte der Neubau der nächsten Orgel durch Ignaz Dörr. Nachdem auch bei dieser eine Reparatur im Jahre 1878 nicht den erhofften Dauererfolg brachte, entschloss man sich zum Bau einer neuen Orgel.

Anno 1891 erging an die Firma Voit & Söhne ein Auftrag für den Bau einer Orgel für die Pfarrkirche Kirrlach. Diese zuerst mit „Blasebalken", später mit Elektromotor betriebene Orgel, vollbringt noch heute ihren Dienst –wenn auch nach mehreren Reparaturen- in unserer Pfarrkirche.

1967 wurden wegen allzu häufiger Mucken dieser Orgel 2 Gutachten über Zustand und Funktion eingeholt. Sowohl Herr Dr. Walter aus Heidelberg, als auch der Orgelsachverständige des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg, Herr Bernd Sulzmann, berichteten über einen erstaunenswerten guten Zustand der Orgel. Jedoch wäre eine Restaurierung – ohne Eingriff in die klangliche Substanz - notwendig. Sulzmann lehnte als Denkmalpfleger einen Neubau ab.

Nachdem 1980 von Bernd Sulzmann noch ein Bildband über „Historische Orgeln in Baden" erschien, bei dem auf den Seiten 280/81 auch die Kirrlacher Orgel in Text und Bild vorgestellt wurde, erfuhr man, welch wertvolle Orgel es ist.

Ein „Förderverein zur Renovierung der Orgel" wurde im Jahre 1993 gegründet. Dieser Förderverein unter der Leitung von Karl Schopf, Klaus Groß, Heinrich Schuhmacher und Jürgen Scheurer erreichte, dass schon 1994 die Restaurierung durchgeführt werden konnte. Der Auftrag erging an die Firma Karl Göckel, Orgelbaumeister, Malsch.

Insgesamt besitzt die restaurierte und erweiterte Orgel nun 36 Register mit 1938 Pfeifen. Die größte all dieser Pfeifen ist ca. 5 m lang und die kleinste ca. 8 mm kurz. Jede Einzelpfeife eines Registers ertönt nach einem ihr eigenen Ton, je nach ihrer Beschaffenheit.

Das Bestreben war, das qualitativ hochwertige Instrument gut zu restaurieren und entsprechend den Vorkehrungen des Erbauers zu erweitern.

„Viele von Ihnen wissen zwar, dass eine Orgel aus vielen Pfeifen, einem Blasebalg, Tasten und anderen Teilen besteht, ich glaube jedoch nicht, dass dieses Wissen ausreichet um zu begreifen, was die Orgel für ein ganz besonderes Instrument ist. Für den künstlerischen Wert einer Orgel sind Gestaltung, der Klang –unter Berücksichtigung der Raumakustik- und das Einordnen technischer Funktionen erforderlich." Dies waren die Grußworte des Orgelbauers.

„Eine Orgel soll nicht laut und schrill sein, sondern strahlend und erhebend mit ihren vielen Stimmen zur Ehre Gottes erklingen". Mit diesem Worten übergab der Orgelbaumeister Karl Göckel  die Orgel nach der Vollendung an die Kath. Kirchengemeinde, Herrn Dekan Johannes Zwick, den Organisten und den Förderverein zur Einweihung.

Bei einem Festgottesdienst zur Orgelweihe, am Sonntag, 12. Juni 1994, wurde sie geweiht und in Betrieb genommen.

 

Im Jahre 1871 wird erstmals in Chroniken von Kirrlach die Anschaffung neuer Glocken erwähnt.
Die drei größten Glocken der Pfarrkirche Kirrlach wurden am 22. Juli 1917 für Kriegszwecke des 1. Weltkrieges demontiert.
Die Pfarrgemeinde beschloss schon bald nach Kriegsende, diese durch vier Neue zu ersetzen.

Am 23. April 1923  wurde ein Vertrag geschlossen zwischen den Vertretern des Glockenausschusses von Kirrlach und der Firma Bachert, Karlsruhe, über die Lieferung von vier  Glocken für die Pfarrei St. Kornelius und Cyprian. Der Glockenguss wurde am 23. Juni unter Teilnahme von Kirrlacher Schulkindern mit ihren Lehrern Simon und Rießenacker durchgeführt. Am 7. Juli war festlicher Empfang der neuen Glocken in Kirrlach. Die Weihe war am 8. Juli unter Beteiligung des Kirchenchores, des Musikvereins und den Gesangvereinen Frohsinn und Liederkranz.
Von diesen Glocken wurden wiederum die drei größten  im Kriegsjahr 1942 für Kriegszwecke von der Reichstelle für Metalle abgenommen.

Das heutige Geläut besteht aus 5 Bronzeglocken, die am 6. Mai 1949 von der Firma Petit und Gebrüder Edelbrock in Gescher / Westfalen gegossen wurden. Sie wurden am 26. Mai unter reger Teilnahme der Bevölkerung von Pfarrer Franz Stattelmann geweiht.
Dieses Geläut kostete damals 24 000, - DM

Es besteht aus:

1. Christkönigsglocke: Ton e, Durchmesser: 1,24 m, Gewicht: 1220 kg

2. St. Korneliusglocke:Ton fis, Durchmesser: 1,10 m,  Gewicht: 820 kg

3.Muttergottesglocke: Ton gis, Durchmesser: 0,98 m, Gewicht: 550 kg

4. St. Cyprianusglocke: Ton h, Durchmesser: 0,81 m,  Gewicht: 300 kg

5. St. Josefsglocke:  Ton cis,  Durchmesser: 0,71 m,  Gewicht: 210 kg

 

Die Inschriften wurden von Pfarrer Stattelmann verfasst. Sie lauten:

1. Christkönigsglocke


Christkönigsglocke heiß´ ich.
Des Höchsten Ehre preiß´ ich.
Der toten Krieger gedenk´ ich.
Den ewigen Frieden schenk´ ich.

2. St. Korneliusglocke
St. Kornelius, voll Vertrauen,

Wir zu Dir zum Himmel schauen.
Schütze unsern lieben Ort
vor Feuer, Hagel, Blitz und Mord.

3. Muttergottesglocke:
Die Welt voll Leid und Schmerzen,

geweiht ist Deinem Mutterherzen.
O führe uns in heil´gem Streben,
hinnieden stets im Gnadenleben.

4. St. Cyprianusglocke:
Heil´ger Bischof Cyprian,

gingst als Vorbild uns voran.
Zeigtest höchsten Glaubensmut.
Nimm uns unter Deine Hut.

5. St. Josefsglocke:
Heil´ger Josef, Du vor Allen

hast dem liebenden Gott gefallen
zu ernähren seinen Sohn.
Sei im Sterben uns Patron.