Gemeindefahrt Pilsen 2026

 
Gemeindefahrt nach Pilsen - ein Reisebericht
Deutsch-tschechische Begegnungen in Pilsen und Nepomuk

Gemeinsam mit der großen Pfarrei neu Hl. Edith Stein Bruchsal war die Ackermann-Gemeinde der Erzdiözese Freiburg über das lange Christi-Himmelfahrts-Wochenende zur Wallfahrt im tschechischen Pilsen und Nepomuk. Unmittelbar nach dem Himmelfahrtsgottesdienst im Kloster Waghäusel, den der geistliche Beirat der Ackermann-Gemeinde Freiburg und priesterliche Mitarbeiter der dortigen Pfarrei, Kooperator Pfarrer Peter Bretl hielt, startete die Busfahrt der 30 Teilnehmer nach Pilsen.
 
Am Freitagmorgen wurde die Gruppe im Ordinariat in Pilsen durch den Ortsbischof Monsignore Tomáš Holub begrüßt. In einem Gespräch standen 2 Themen in Fokus: die wenige Tage zuvor nach 3 Jahren zum Abschluss gekommene Diözesansynode und die Vorfreude auf die Diözesanwallfahrt nach Nepomuk einen Tag später, der sich die deutsche Gruppe anschließen durfte. 
 
Dabei wurde deutlich, dass sich auch die Pilsener Diözese mit starken Veränderungen ihrer Finanzierung und mit einem Priestermangel, der sich in den nächsten Jahren wohl verschärfen wird, konfrontiert sieht.      
Die Synode sollte nach Antworten suchen, sofern sie im Gestaltungsspielraum einer Diözese liegen, etwa wie Nicht-Geweihte mehr Aufgaben in der Seelsorge übernehmen könnten u.v.m..
Die Gruppe besuchte danach die nur wenige Gehminuten entfernte Synagoge Pilsens, eine der größten weltweit, die heute von einer kleinen aktiven jüdischen Gemeinde mit Leben gefüllt wird. Dieser Bau war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts notwendig geworden, nach dem die jüdische Bevölkerung Pilsens auf weit über tausend Mitglieder angewachsen war. Ein harmonisches Bild, außen wie innen, beeindruckt den Besucher. Wer in religiösen Dingen unbewanderter ist und auf die Symbolsprache weniger achtet, wird sich möglicherweise in einer Kirche wähnen.
Die anschließende Stadtführung durch die beeindruckende Innenstadt, vor allem der große zentrale Platz um die Bartholomäus-Kathedrale, endete bei der weltberühmten Pilsener Urquell-Brauerei.  
Nach dem Mittagessen im Gewölbekeller der Gastronomie wurde in einer Führung den Teilnehmern die ungeheure Größe, ober- wie unterirdisch, dieser bedeutenden Stätte mitteleuropäischer Braukultur deutlich.  
Im Diözesanmuseum konnte später der Blick auf die religiöse Geschichte und Kunst Westböhmens gerichtet werden.
 
Der Samstag stand ganz im Zeichen der Diözesanwallfahrt und war auch für die deutschen Pilger der Höhepunkt. Im von Pilsen nur gut 30 km entfernten Nepomuk wurde an diesem Tag ein historischer Tag begangen.  
Bei der Pilsener Bistumsgründung 1993 war Nepomuk als Teil der neuen Diözese vorgesehen, allein das Bistum Budweis tat sich schwer mit der Loslösung. Im Hinblick auf den 300sten Tag der Heiligsprechung Johannes v. Nepomuk 2029, kam jetzt aber Bewegung in den Neuzuschnitt der Bistumsgrenzen, so dass zum Jahreswechsel bereits das Vikariat (vergleichbar mit einem Dekanat in Deutschland) Nepomuk Pilsen zugeschlagen wurde, - aber förmlich, feierlich und öffentlichkeitswirksam an diesem 16. Mai (Gedenktag Johannes v. Nepomuk) nun der Diözese Pilsen übergeben wurde. Stolz und Freude waren bei Bischof Holub und den Pilsner Katholiken über den Zugewinn des Geburts- und Wallfahrtsortes des großen böhmischen Heiligen spürbar.  
Trotz zunächst trübem Wetter machten sich viele Hundert Gläubige nach Nepomuk auf, um von der Nepomuk-Kirche, an der Stelle des Geburtshauses des Heiligen, durch den festlichen Ort zu seiner Pfarr- und Taufkirche zu ziehen. Im Pfarrgarten feierte der scheidende Prager Erzbischof und Primas der böhmischen Kirche Monsignore Jan Graubner mit mehreren Bischöfen den Wallfahrtsgottesdienst unter freiem Himmel.  
 
Auf der Rückfahrt nach Pilsen besuchten die deutschen Pilger noch im nahen sehr schönen Städtchen Klatovy/Klattau das Gnadenbild „Maria vom Blut“ in der Stadtpfarrkirche.
 
Nach dem Sonntagsgottesdienst und Besuch in der Kathedrale St. Bartholomäus, konnte ein Teil der Gruppe die berühmten Loos-Interieure, also vornehme Wohnungen, die von dem Architekten Adolf Loos in den 1920er Jahren aufwendig geplant und eingerichtet wurden, besichtigen.     
Die anderen waren ins bischöfliche Seelsorgeamt, welches sich ebenso wie das schon besuchte Diözesanmuseum im ehemaligen Franziskanerkloster in der Innenstadt befindet, eingeladen.  
Eine Mitarbeiterin berichtet den interessierten Gästen, dass seit dem letzten Besuch der Freiburger im Januar das Synoden-Abschlussdokument überarbeitet wurde. Es wurde bewusst etwas unkonkret und dafür verbindlicher gehalten. In dem deutlich umfangreicheren Anhang werden die konkreten Pläne der Umsetzung aber ausgeführt. Diese haben einen inhaltlichen („missionarischen“) Teil, einen strukturell-organisatorischen und einen ökonomischen Teil. Vor allem hat sich aber in den vergangenen 3 Jahren wohl eine innerkirchliche Gesprächskultur auf Augenhöhe etabliert, welche
möglicherweise noch mehr Veränderung bringen könnte als die Beschlüsse. Die Synodalen wissen um die jeweiligen Gegenpositionen und treten anders, gemeinschaftlicher auf. Angesichts der kleinen Anzahl der Kirchenmitglieder, als Randerscheinung in der atheistisch geprägten tschechischen Gesellschaft mit wenig finanziellem Spielraum, ein mutiger Schritt, dessen Folgen in den nächsten Jahren sichtbar werden dürfte. 

Angefüllt mit diesen Eindrücken und Gedanken machte sich die badische Pilgergruppe auf den Heimweg. (Philipp Schiller)